

Die Gemeinderäte in Sandhausen und Nußloch haben mit großer Mehrheit beschlossen keine weiteren finanziellen Mittel für eine Fortführung der Planung der Straßenbahn nach Heidelberg einzustellen. Sie folgten damit einem vorgelegten Gutachten dass zu Schluss kam, dass eine Machbarkeitsstudie nach standardisierter Bewertung ein Ergebnis von unter 1 ergäbe, was eine Förderung durch Bund und Land ausschlösse.
Walldorf hingegen wird weiterhin die Trassen für eine geplante Stadtbahn freihalten. Allerdings kann eine Stadtbahn ohne Sandhausen nicht gebaut werden.
Die alte Bewertung hatte noch ein knapp positives Ergebins bekommen. Die neuen Berwertungsgrundlagen benachteiligen hingegen die klassische Straßenbahn gegenüber reinen Stadtbahnsystemen.

So oder ähnlich hätte die Straßenbahn in Sandhausen ausgesehen
KOMMENTAR:
Auch wenn nach Lage der Entscheidung die Straßenbahn in den Süden des Rhein-Neckar-Kreises in weite Ferne gerückt zu sein scheint, vom Tisch ist sie freilich nicht. Hier muss aber die Politik handeln, denn die Bewertungsgrundlagen die die Förderung durch Bund und Land erst möglich macht, muss geändert werden,sonst werden in Zunkunft keine der kleineren Straßenbahnbetriebe mehr ihre Strecken ausbauen können. Zudem läuft das Gemeindefinanzierungsgesetz 2016 aus. Wenn hier nicht die Chance zu einer umfassenden öffentlichen Finanzierung des schienegebundenen Nahverkers genutzt wird, dann werden unsere Kinden in dreisig Jahren nur noch den Kopf schütteln über unsere Ignoranz. Der Klimawandel wird in Zukunft einen steigenden Bedarf nach öffentlichen Verkehren erzeugen. Städte, die dann über keinen effizienten und umfassenden ÖPNV verfügen (und nur die Schiene kann das) werden das Nachsehen haben.

Heidelberg, den 10.Dezember 2006

Fast pünktlich um 10.30 Uhr am 09.Dezember 2006 fuhr die Eröffnungsbahn mit viel Prominenz an Bord an der Haltestelle Kirchheim Rathaus vor. Empfangen wurde die Bahn von einer Heerschar Fotographen und unzähliger Schaulustiger. Auch eine kleine Anzahl Demonstranten fanden sich ein, die aber eher gegen den Busverkehr demonstrierten, der nun ausschließlich durch die Pleikartsförster Straße abgewickelt wird. Seltsam nur, das gegen den ehemaligen Busverkehr in der Schwetzinger Straße keiner protestierte. St.Florian lässt grüßen.
Unumstritten war der Bau der Straßenbahn nach Kirchheim nicht. Vorallem Geschäftsleute fürchteten um ihre Umsätze nach Einführung der Bahn, weil der Durchgangverkehr weitgehend aus der Schwetzinger Straße verbannt wurde. Energisch bekämpft wurde der Bau auch die Gemeinderatsfraktionen der CDU und der "Heidelberger". So wurde der Bau auch mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme beschlossen.

Der nun folgende Bau wurde vor allem im Abschnitt Kirchheim Mitte durch Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Zeitweilig glich die Kirchheimer Mitte einer Mondlandschaft und ein anderes Mal verwandelte sich die Schwetzinger Straße in ein Schlammloch. Geschäfte waren schwer zu erreichen und Zufahrten wurden ohne Information zugesperrt, sodass Anlieger ihre Grundstücke nicht mehr erreichen konnten. Gerechterweise muss man sagen, dass nicht der Bau der Straßenbahn alleinige Ursache der langen und schwierigen Bauzeit war. Es wurden zeitgleich alle Versorgungsleitungen (Wasser, Abwasser, Gas und Strom) erneuert und die Hausanschlüsse neu verlegt.


Dafür entschuldigten sich Oberbürgermeisterin Beate Weber, deren letzte Amtshandlung als Oberbürgermeisterin die Eröffnung der Straßenbahn war und die Vorstände der RNV und der HSB ausdrücklich bei der Kirchheimer Bevölkerung und vor allem bei den Betroffenen. Vorausschauend wurde ein Baustellenfond eingerichtet, der die gröbsten Härten abfederte.
Jetzt fährt sie nun die Linie 26 vom Heidelberger Bismarckplatz zum Kirchheimer Friedhof. Gleichzeitig wurde das gesammte Busnetz neu konzipiert. Die Straßenbahnlinien bekamen eine 2 vor die Liniennummer. Damit gibt es im VRN-Gebiet keine gleichen Liniennummern mehr, nachdem auch in Mannheim die Buslinienbuchstaben durch Nummern ersetzt wurden.
Weitere Bilder des Eröffnungstages finden Sie auf den Bilderseiten für Heidelberg

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